
NATURE FIRST · PFLEGE
Krallen schneiden beim Hund: wo das „Leben“ sitzt
Der häufigste Grund, warum Halter sich nicht trauen: die Angst, ins durchblutete Leben zu schneiden. Mit dem Wissen, wo es sitzt, wird die Krallenpflege Routine.
Krallen, die beim Stehen den Boden berühren oder beim Laufen auf Fliesen klicken, sind zu lang. Auf Dauer drücken sie die Zehe in eine unnatürliche Stellung und schieben das Krallenbett nach oben, das tut weh und verändert die Haltung. Wer regelmäßig kürzt, beugt genau das vor. Der Schlüssel ist zu verstehen, wie eine Kralle aufgebaut ist.
Aufbau der Kralle: Horn und das „Leben“

Eine Kralle besteht aus zwei Teilen: der harten, gefühllosen Hornschicht außen und dem Leben (auch Pulpa genannt) innen, das mit Blutgefäßen und Nerven versorgt ist. Geschnitten wird ausschließlich das Horn vor dem Leben, das ist schmerzfrei.
Bei hellen Krallen ist das Leben als rosa Kern gut zu erkennen, du hältst Abstand davor. Bei dunklen Krallen ist es nicht sichtbar, hier hilft ein anderer Weg, siehe unten.
Helle und dunkle Krallen: zwei Methoden
Am rosa Kern orientieren
Das Leben schimmert rosa durch. Setze die Schere ein paar Millimeter davor an und kürze die durchsichtige Spitze. Lieber einen Tick zu wenig als zu viel.
Mit Licht und in Etappen
Das Leben ist nicht sichtbar. Durchleuchte die Kralle von hinten mit einer Taschenlampe oder kürze in kleinen Schritten. Erscheint auf der Schnittfläche ein dunkler Punkt in der Mitte, ist das Leben nah, dann aufhören.
Schritt für Schritt schneiden
Ruhe schaffen
Den Hund entspannt legen oder setzen, die Pfote locker in der Hand halten. Bei Aufregung lieber eine Kralle pro Tag.
Schere ansetzen
Eine scharfe Krallenschere im rechten Winkel an die Spitze setzen, deutlich vor dem Leben.
Spitze kürzen
Nur die Spitze abnehmen. Bei dunklen Krallen in mehreren kleinen Schnitten und die Schnittfläche kontrollieren.
Loben
Nach jeder Kralle belohnen. Die Wolfskralle innen am Bein nicht vergessen, sie nutzt sich nicht von allein ab.

Wenn doch mal Blut kommt
Triffst du das Leben, blutet es und tut kurz weh. Drücke ein sauberes Tuch an oder nutze ein blutstillendes Pulver, meist hört es schnell auf. Blutet es stark oder lange, ruf in der Tierarztpraxis an. Bist du beim ersten Mal unsicher, lass dir den Schnitt dort oder im Hundesalon einmal zeigen.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich die Krallen schneiden?
So oft, dass sie beim Stehen den Boden nicht berühren. Hunde, die viel auf Asphalt laufen, nutzen die Krallen ab und brauchen seltener die Schere. Als Anhalt: alle drei bis sechs Wochen kontrollieren.
Schere oder elektrischer Schleifer?
Beides funktioniert. Eine Schere ist schnell und leise, ein Schleifer trägt sehr fein ab und ist bei dicken oder dunklen Krallen angenehm, weil man sich langsam herantastet. Entscheidend ist, dass dein Hund das Geräusch toleriert.
Was tun, wenn mein Hund sich wehrt?
In kleinen Schritten an Pfotenkontakt gewöhnen, eine einzelne Kralle pro Sitzung, danach etwas Schönes. So verknüpft der Hund die Prozedur mit Positivem statt mit Zwang.
